|
|
Geschichte der Farbmorphenzucht by Kevin McCurley
Bei der Nachzucht in Gefangenschaft wird oftmals gezielt die Anzahl ungewöhnlich aussehender Exemplare einer Art vermehrt. Diese mögen auf einzelnen Wildfängen oder in Gefangenschaft geschlüpften Mutationen beruhen. Als Mutation ist hier ein Tier zu verstehen, das offensichtlich anders als der „normale“ Königspython in der freien Wildbahn aussieht. Dieses Tier kann so aussergewöhnlich sein, dass der Züchter über die nächsten Jahre versucht, sein Erscheinungsbild in dessen Nachkommen zu reproduzieren. Gelingt dies, d.h. zeigen einige der Nachkommen dieses Exemplars vergleichbare Merkmale, handelt es sich um ein in der Erbmasse (den Genen) verankertes Merkmal, das sich reproduzieren lässt, so dass sich andere Pfleger ebenfalls daran erfreuen können. Oftmals beginnt die Zucht einer bestimmten Varietät mit einem einzelnen Tier, das importiert wird oder in einer Zucht schlüpft. Sind dessen Merkmale genetisch fixiert, bedarf es oft einigen Aufwands, um es als eine neue Morphe zu etablieren. In diesem Fall wird das entsprechende Exemplar mit einem anderen, oftmals wildfarbenen Tier, verpaart. Die daraus hervorgehenden Nachkommen können allesamt völlig normal aussehen. Sie sind dann jedoch eventuell einfach rezessiv heterozygot für das verantwortliche Gen. „Einfach rezessiv“ bedeutet dabei, dass sämtliche Nachkommen zwar das für die Mutation verantwortliche Gen tragen, dieses jedoch von einem anderen unterdrückt wird, so dass sie zumindest in der ersten Generation äusserlich ganz normal aussehen. Diese Tiere werden dann aufgezogen und mit dem ursprünglichen anormalen Exemplar rück- sowie untereinander gekreuzt. Dies geschieht in der Hoffnung, dass daraus weiter Exemplare mit dem gewünschten ursprünglichen Erscheinungsbild hervorgehen. Geschieht genau das, steht fest, dass dieses Merkmal genetisch bedingt ist, und die nun sichtbare Mutation wird als homozygoter Ausdruck des Merkmals bezeichnet. Diese Vorgehensweise ist als Stammzucht bekannt und ein wertvolles Instrument für das Verständnis der genetischen Grundlagen eines Zuchtprojekts. Manche Mutationen kommen jedoch bei einer Verpaarung mit einem wildfarbenen Partner auch schon in der ersten Generation wieder zum Vorschein. Damit steht fest, dass die Merkmalsausprägung (der Phänotypus) co-dominant oder dominant sein muss. Handelt es sich dabei um Co-Dominanz (d.h. unvollständige Dominanz), kann der Züchter bei der Verpaarung mit einem wildfarbenen Partner mit einer statistischen Verteilung von 50% des Merkmals unter den Nachkommen rechnen. Diese Mutation kann aber noch ein ganz anderes Potenzial offenbaren, wenn sie mit einem weiteren Tier des gleichen Phänotypus verpaart wird. Hieraus kann dann ein auffallend anders aussehender „Super“, d.h. ein dominant vererbendes Tier, entstehen. Theoretisch kann solch ein „Super“ mit einem normal aussehenden Partner gekreuzt werden , und sämtliche daraus hervorgehenden Nachkommen zeigen den Phänotypus der Mutation. Dieser „Super“ ist der homozygote Ausdruck der Mutation (des co-dominanten Phänotypus, nicht das der Superform), und die ursprünglichen Mutationen sind der heterozygote Ausdruck davon. Kann eine Mutation ohne erkennbaren „Super“ erzeugt werden, verwendet man die Bezeichnung „dominant“ für die genetische Eigenschaft dieses Phänotypus. Bisweilen stösst man auf Exemplare mit ähnlichen Besonderheiten in der Färbung und/oder Zeichnung, deren Verpaarung dann aber nicht zu Nachkommen mit deren Merkmalen führt. Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass dieses Merkmal nicht genetisch fixiert ist oder dass verschiedene Gene dafür verantwortlich sind, die bei den beiden Elterntieren an verschiedenen Stellen des Genstranges liegen und daher bei deren Verkreuzung nicht zueinander passen. Bei der Stammzucht wird hingegen sichergestellt, dass stets die gleiche Anomalie verwendet wird, wodurch die Erfolgschancen für weitere Exemplare mit dieser Anomalie naturgemäss steigen. Einige Varietäten, wie der „Classic Jungle“ zum Beispiel, lassen sich nach dem derzeitigen allgemeinen Verständnis offenbar nicht gezielt durch Stammzucht reproduzieren. Sie tauchen lediglich hin und wieder aus uns unbekannten Gründen in einem Wurf auf. Selbstverständlich sind Erkenntnisse wie dies jedes Mal eine enorme Enttäuschung für den Züchter, der lange Jahre auf die Erforschung der genetischen Grundlagen einer mutmasslichen Morphe verwendet hat und nun doch nicht zu dem gewünschten Ergebnis gekommen ist. Trotzdem-Schlangen sind lebende Wesen, und auch wenn die Zucht ein Wechselbad aus Erfolg und Misserfolg ist, so sind doch die Momente des Glücksgefühls bei jedem Schlupf von Babys weitaus zahlreicher als die der Enttäuschungen. Text Quelle Python Regius Das Kompendium by Kevin McCurley |
| Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 14. April 2010 um 11:00 Uhr |
Farbmorphenzucht
